Flix – Schöne Töchter

„Dieser Strip handelt von allem, was sich Liebe nennt.“ Flix

Buch Cover Flix Schöne TöchterIn seinen Comicstrips „Schöne Töchter“ – einem Sammelband von einseitigen Kurzgeschichten und zeichnerischen Variationen – berichtet Flix über die Liebe und zwischenmenschliche Beziehungen. Dies tut er so pointiert, dass man sich schon mal ertappt fühlt. Aber auch gesehen, und nie verraten. Das macht den großen Charme seiner Comicstrips aus. Wie wäre das Leben mit all seinen Kuriositäten, wenn wir es nicht so ernst nähmen? Auf erfrischende und immer liebevolle Weise erzählen die Strips von Paarbeziehung, Affären, Trennung, Kinderwunsch und Elternsein, oder einfach den kleinen und großen Liebesbekundungen. Dabei gestaltet er jede Seite anders, setzt die Form des Comics raffiniert ein und hat so ein amüsantes, wunderschönes Bilderbuch über die Liebe geschaffen. Aber er nutzt das ungewöhnliche Format auch für eine Hommage an sein Medium, den Comic. Da ist keine Seitenarchitektur wie die andere, und das sind nicht nur dekorative Spielereien, sondern elementare Bestandteile der Erzählstruktur.Flix gibt den Blick frei auf unsere eigenen Problemzonen aus der humorvollen Metaperspektive. Es ist kein zynischer Blick, sondern ein zutiefst menschlicher. Die Comicreihe „Schöne Töchter“ erlaubt es uns, uns nicht so ernst zu nehmen, ohne die wunderbaren Möglichkeiten der Liebe dabei aus dem Blick zu verlieren. Das überraschende Moment macht die Comicstrips so besonders. Klischees und klassische Rollen werden aufgebrochen. Das hat etwas sehr Befreiendes.

Flix, geboren 1976, hat in Barcelona und Saarbrücken Kommunikations-Design studiert. Seine Diplomarbeit wurde kurz danach unter dem Titel „held“ bei Carlsen veröffentlicht und gewann mehrere Auszeichnungen. Er hat seitdem zahlreiche Bücher im Carlsen Verlag veröffentlicht, darunter das Comictagebuch „Der Swimmingpool des kleinen Mannes“, den Erinnerungscomic über die Berliner Mauer „Da war mal was…“, die Literaturadaptionen „Faust“ und „Don Quijote“ sowie den Kindercomic „Ferdinand, der Reporterhund“ (zusammen mit Ralph Ruthe). Derzeit erscheint sein Comicstrip „Schöne Töchter“ im Berliner Tagesspiegel. Nun liegen die preisgekrönten Geschichten (Max und Moritz-Preis 2012) als quadratisches Sonderformat vor, erweitert um exklusive Beiträge für die Buchausgabe. Flix, der u. a. als Dozent an der Hochschule in Saarbrücken gearbeitet hat, veranstaltet regelmäßig Live-Lesungen und immer wieder auch Comicworkshops im In- und Ausland. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Ein paar Fragen an Flix:

1.) Lieber Flix, Du hast Ende der 1990er, Anfang der 2000er Jahre angefangen, Comics zu zeichnen, zu einer Zeit, als Comics aus Deutschland noch eine Rarität und Graphic Novels in den Medien noch ein Fremdwort waren. Kannst Du Deinen Einstand als Comiczeichner beschreiben? Was hat sich in den letzten Jahren getan, wie erlebst Du die Comiclandschaft in Deutschland heute?

„Als ich angefangen habe, Comics zu zeichnen, kannte ich niemanden, der das auch machte. Das war vor Zeiten des Internets und in Darmstadt gab es einfach keine Comiczeichner. Wohl aber einen ziemlich gut sortierten Comicladen. Darüber bin ich mit den in Bildern erzählten Geschichten in Kontakt gekommen. Zeichnen konnte ich immer schon ganz gut. Und so habe ich versucht das nachzumachen, was ich gesehen habe: Comicalben. Geschichten mit 48 Seiten. Damit habe ich angefangen. Größenwahnsinnig. Aber wenn man keine Ahnung hat, ist das völlig okay.Heute ist es deutlich leichter, Kontakt zu anderen Zeichnern aufzunehmen. Zudem habe ich das Gefühl, dass Comics heute breiter wahrgenommen werden. Der „Schund“-Dünkel dem Medium gegenüber hat abgenommen, noch mehr, ich erlebe eine stärkere Wertschätzung. Die thematische Vielfalt hat zugenommen. Dennoch ist es nach wie vor eine der Herausforderungen der Zeichner, in ihre Ökonomie zu kommen. Ein Comic alleine macht noch keinen Lebensunterhalt.“

2.) Dein aktuelles Buch „Schöne Töchter“ ist eine Sammlung von Strips, die regelmäßig in der Sonntagsausgabe des Berliner Tagesspiegels abgedruckt werden. Wie kam es zu dem Projekt und was hat Dich daran gereizt?

„Ich bin ja erst später zum Team der Sonntagszeichner des Tagesspiegels dazugekommen. Ein Platz wurde frei, weil einer Zeichnerin das regelmäßige Format nicht lag. Ich wollte schon immer Comics für Zeitungen machen, schließlich liegen da die Wurzeln des Mediums. Und eine monatliche Erscheinungsweise, das ist nicht stressig, dachte ich. Dass diese Form jedoch eine ganz eigene Dynamik hat, hatte ich unterschätzt.“

3.) Als Zeitungsstrips musst Du Deine Geschichten immer in einem festgelegten Rahmen erzählen und zeichnen: Das Format ist ca. 30×30 cm, die Stories sollen in sich abgeschlossen sein. Wie bist Du mit diesen Beschränkungen umgegangen? Welche Freiheiten konntest Du Dir nehmen und wie hast Du sie genutzt?

„Es hat eine Weile gebraucht, bis ich mit dieser Freiheit umgehen konnte. Denn es ist deutlich aufwändiger, eine graphisch freie Comicseite zu gestalten, als eine mit 4 Reihen á 4 Bildern. Man muss die Geschichten ganz anders denken. Und muss auf einmal Panelformat zeichnerisch bewältigen, wie man sie vorher nicht habt hat. Es war gar nicht leicht, diese „rechteckige Einzelbild“-Brille abzunehmen und die Seite als Ganzes zu betrachten. Mein Vorbild war irgendwann die Sonntagsseiten von „Calvin und Hobbes“. Bill Watterson, der Zeichner der Reihe, zeigt dort meisterlich, wie man ein großes Format sich graphisch zu eigen macht. Das habe ich versucht. Eine Bildanordnung, die ungewöhnlich ist, aber trotzdem gut lesbar für den Betrachter. So, dass der Betrachter im Idealfall gar nicht merkt, dass ich Experimente mit ihm veranstalte: Dass er im Kreis liest. Oder gegen die Leserichtung. Oder die Zeitung um 180 Grad dreht. Einfach weil die Geschichte, die ich ihm erzähle, es ihm selbstverständlich erscheinen lässt.“

4) Deine Geschichten sind universelle Episoden aus dem täglichen Geschlechterkampf und Beziehungsalltag. Woher stammen die Ideen für Deine Geschichten und wie viel Autobiografisches steckt im Fiktiven und wie viel Fiktives im Autobiografischem?

„Schöne Töchter ist kein autobiographischer Strip. Es geht mir in dieser Reihe darum, Situationen zu bebildern, dass man sie emotional nachvollziehen kann. Ich möchte mit den kleinen Szenen, die in jeder Folge dargestellt werden, den Leser irgendwie „kriegen“. Dass er lacht, dass er seufzt, dass er ein Tränchen verdrückt oder dass der erleichtert aufatmet. Natürlich finde ich die Themen dazu in meinem Umfeld. Aber es geht mir darum, dass sich meine Geschichten echt anfühlen, nicht darum, dass sie eine 1:1-Abbildung meiner Erlebnisse sind.“

5) Du bist nicht nur ein Pionier der deutschen Graphic-Novel-Szene, sondern Du bist auch als einer der ersten unter den deutschen ComiczeichnerInnen mit Deinen Comics auf Lesereisen gegangen und bist in Literaturhäusern aufgetreten. Wie unterscheiden sich Comic-Lesungen von klassischen Buchvorstellungen, und was erwartet die Zuschauer bei den Lesungen zu Deinem neuen Buch?

„Bei meinen Lesungen gibt es viel zu sehen. Ich lese meinen Comic vor und zeige dazu parallel auf einer großen Leinwand hunderte von Bildern. Für den Betrachter entsteht dadurch so etwas wie „langsames Kino“. Nur eben live. Das macht eine Menge Spaß. Den Betrachtern. Aber mir ganz genauso!“
Termine mit Flix:

Leipzig
9. Juli – 8. September 2015
Ausstellung „Schöne Töchter“, Lesung „Schöne Töchter“

Leipzig
27. August 2015
Moritzbastei

Berlin
3. September 2015
Buchpremiere und Lesung mit Mawil „Schöne Töchter“ und „Singles Collection“, Einlass 19:00 Uhr, Beginn 19:30 Uhr, Eintritt frei
Bibliothek Luisenbad

Hamburg
9. September 2015
Buchpräsentation und Lesung „Schöne Töchter“
Carlsen Verlag

Hamburg
4. Dezember 2015
Lesung „Schöne Töchter“
Niendorfer Büchereck

Oberhausen
19. September 2015
Ausstellungseröffnung „Das ist doch keine Kunst“, Gemeinschaftsausstellung mit Flix, Ralph Ruthe und Joscha Sauer (20.9.2015 – 17.1.2016)
Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Frankfurt
17. Oktober 2015, 14 Uhr
Frankfurter Buchmesse
Lesung „Schöne Töchter“, Lesezelt

Frankfurt
18. Oktober 2015
Signierstunde „Schöne Töchter“
Frankfurter Buchmesse – Carlsen Stand

Nürnberg
12. November 2015
Lesung „Schöne Töchter“
Burgtheater

Köln
13. November 2015
Gespräch und Lesung „Schöne Töchter“
Erfurter Herbstlese

Erfurt
28. November 2015
Lesung „Schöne Töchter“
Erfurter Herbstlese

Wolfenbüttel
(Veranstaltung in Planung)